Ethische Richtlinien

Die DGsP ist Mitglied der „Deutschen Gesellschaft für Beratung“ (DGfB). Als solches ist sie auch dem dortigen Beratungsverständnis verpflichtet.

Siehe hierzu auch: Dachverband Beratung: „Wie erkenne ich gute Beratung?“ (pfd) und auch Dachverband Beratung: Weiterbildungsstandards (pdf).

Die DGsP gibt sich selbst ethische Richtlinien, die zum einen ihr Selbstverständnis ausdrücken, zum anderen aber auch eine verbindliche Grundlage ihres Beratungsverständnisses und der geleisteten Beratung darstellen.

Für die Entwicklung dieser Richtlinien wurde eine Ethikkommission auf der Mitgliederversammlung 2013 eingerichtet, der Rainer Hölzle, Beate Jaquet, Stefan Pätz  und Christine Ziepert angehören. Diese haben einen Entwurf für die Ethik-Richtlinien verfasst.

Am 6.5.2016 wurden die Richtlinien dann endgültig verabschiedet. In den Ethikrat gewählt wurden am gleichen Tag:

  • Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp
  • Rainer Hölzle
  • Beate Jaquet

Sie bilden den Ethikrat bis 2018.


 

Die Ethik-Richtlinien der DGsP

Vorbemerkung

Ethische Richtlinien bieten eine Orientierung für Handeln in zwischenmenschlichen Beziehungen, wie es in den unterschiedlichen Formen der Beratung, Supervision, des Coaching und anderen, ähnlichen professionellen Kontexten stattfindet.

Dabei geht es um ein gemeinsames und im Rahmen einer Selbstverpflichtung verbindliches Beratungsverständnis für alle sich auf ein DGsP Zertifikat Berufenden professionell Handelnden, welches die Grundlage der professionellen Arbeit darstellt.

Ethische Richtlinien stellen eine Mindestanforderung an verantwortungsbewusstem Handeln dar, unterstützen die kritische Reflexion des eigenen Handelns und fördern die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen innerhalb der DGsP.

Unser systemisches Verständnis von Beratung

Unser Verständnis von systemischer Beratung orientiert sich an einer Haltung der Beratenden / des Beratenden, die geprägt ist von Wertschätzung gegenüber dem Ratsuchenden / der Ratsuchenden (Klienten, -in), respektvollem Umgang auf Augenhöhe, fachlicher Kompetenz, Selbstfürsorge des Beraters, Information und Aufklärung.

  • Der/die Beratende ist verantwortlich für die Fachlichkeit der Beratung: Gute Beratung ist auch erkennbar an der Vernetzung der/des Beratenden, daran dass er/sie Supervision und Weiterbildung in Anspruch nimmt und sich darum bemüht, fachlich ein entsprechend qualifiziertes Beratungsangebot leisten zu können.
  • Der/die Beratende hat die Verantwortung dafür, ein Setting zu schaffen, in dem eine Feedbackkultur auf eine angemessene Weise stattfinden kann.
  • Dies bedeutet auch Respekt davor, dass das Wissen und die Lösung eines Problems bei dem, derjenigen zu finden sind oder liegen, der/die als Ratsuchende(r) kommt. Ohne dass ihn/sie das von der Verantwortung befreit, ihr/sein Wissen und ihre/seine Fähigkeiten, dem/der der/die kommt, in geeigneter Weise zur Verfügung zu stellen.
  • Gute Beratung achtet auf die Kohärenz von Form und Inhalt.
  • Ohne Bewertung ist nicht wertfrei. Der wertschätzende Umgang bezieht sich immer auf den Klienten/die Klientin, und dass ihm/ihr aus ihrer/seiner Sicht gute Gründe für ihr/sein Verhalten zugebilligt werden, ohne dass daraus in jedem Fall abgeleitet werden kann, dass ihr/sein Verhalten toleriert und respektiert wird (z.B. bei Fällen von Missbrauch und Gewalt).
  • Zur Auftragsklärung gehören Informationen über Kosten, Dauer etc. sowie das Recht des/der Ratsuchenden, in angemessener Frist zu entscheiden, ob er/sie dieses Beratungsangebot annimmt.
  • Die/der systemisch Beratende ist für den Prozess der Beratung verantwortlich. Der Prozess impliziert auch ihre/seine Haltung, mögliche Wirkungen und Folgen zu reflektieren.
  • Auswirkungsbewusstsein ist in angemessener Weise im Beratungsprozess zu berücksichtigen. Die/der Ratsuchende kann ermuntert werden, immer wieder mögliche Folgen möglichen Handelns in den Beratungsprozess einzubringen.
  • Systemische Beratung unterstützt den Perspektivwechsel der/des Ratsuchenden und eine mehrdimensionale Problemsicht.
  • Die/der systemisch Beratende hat auch eine Verpflichtung zur Selbstfürsorge. Diese ermöglicht ihm/ihr eine kraftvolle Haltung in der Begegnung mit ihrem/seinem Gegenüber.

Unser systemisches Verständnis von Ethik

Grundlegende Überzeugung ist, dass jeder Mensch frei ist zu handeln. Auch wenn äußere und innere Determinanten vorliegen können, die die Freiheit seines Handelns einschränken, vermindert dies nicht die grundsätzliche Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen.

Systemische Beratung setzt hier an und unterstellt dem/der Ratsuchenden nicht nur die selbstverantwortliche Kompetenz bei der Problembeschreibung, sondern auch die entsprechende Kompetenz bei der Problemlösung.

  • Ethik existiert nicht im luftleeren Raum sondern hat ein erkennbares Wofür: einen sinnhaft erlebten Beitrag zu einem gelingenden und sinnhaften Leben zu leisten.
  • Eine systemisch verstandene Ethik orientiert sich nicht nur an einem vorgegebenen Sollen (ontologische Ethik), sondern auch an der Verantwortung für die Folgen des Handelns (Auswirkungsbewusstsein, utilitaristische Ethik).
  • Zu solchem vorgegebenen Sollen gehört nach unserem Verständnis der (kybern-) ethische Imperativ Heinz von Foersters: „Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird!““ (Heinz von Foerster (1973), Über das Konstruieren von Möglichkeiten. S. 49)
  • „Ich möchte Sprache und Handeln auf einem unterirdischen Fluss der Ethik schwimmen lassen und bemühe mich stets darauf zu achten, dass keines der beiden untergeht, so dass Ethik nicht explizit zu Wort kommt und Sprache nicht zur Moralpredigt degeneriert.“ (H. v. Förster, Ethik und Kybernetik zweiter Ordnung. Ein Vortrag. In: H. v. Foerster, Short Cuts. 2. Aufl. Frankfurt a. M., 2002, S.50 )

Ergänzend verweisen wir auf die Überlegungen Arists von Schlippes:

  • „Eine sich systemisch verstehende Ethik sollte sich weniger an äußeren Kriterien von „richtig“ und „falsch“ oder an vorgegeben Settings oder Techniken orientieren. Auf der Grundlage einer Verantwortungsethik ist alles möglich (Anything goes) und vertretbar, wenn der Therapeut verschiedene Kriterien beachtet, nämlich:
  • dass er/sie aus einer Mehrebenenperspektive heraus die eigenverantwortliche Entscheidung fällt, welches Subsystem ausgesucht wird, um die Suche nach Lösungen zu beginnen und offen dafür bleibt, immer wieder auch andere Perspektiven in seine/ihre Überlegung miteinzubeziehen;
  • dass diagnostische Überlegungen und Interventionen ökologisch valide sind;
  • dass die Definition des Problems keine Abwertung eines Mitglieds des Problemsystems beinhaltet;
  • dass der Handlungsspielraum für die zentralen Beteiligten des Problemsystems erweitert wird – und zwar nicht für z.B. einen einzelnen, falls er/sie nur mit diesem arbeitet!“ (A. v. Schlippe, Systemische Sichtweise und psychotherapeutische Ethik – vier Imperative. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 40 (1991) 10, S. 368-375)

Für den/die Beratenden besteht aber auch die ethische Verpflichtung ihr/sein fachliches Wissen und ihre/seine Kompetenz in geeigneter Form, transparent in den Beratungsprozess einzubringen.

 Das Verfahren

In allen Fällen, in denen Ratsuchende eines DGsP zertifizierten Ratgebenden (Berater,-in, Supervisor,-in, Coach,-in) einen aus ihrer Sicht wahrnehmbaren Verstoß gegen diese Ethik-Richtlinien feststellen, können Sie die Ethik Kommission der DGsP zur Klärung in Anspruch nehmen.

Wir gehen davon aus, dass in der Regel die Parteien zunächst versuchen, bestehende Konflikte untereinander zu klären.

Falls dies nicht gelingt, kann ein erster Schritt darin bestehen, dass die Konfliktparteien eine(n) Mediator(in) z.B. aus der DGsP hinzuziehen und mit dessen Hilfe versuchen, den Konflikt zu klären. Wird keine Einigung erzielt, wird das Verfahren dem Ethikrat vorgelegt. Dieser versucht, eine einvernehmliche Konfliktlösung herbeizuführen.

Bei schwerwiegendem Verstoß eines/einer Beratenden gegen diese Ethik-Richtlinien kann der Ethikrat dem Vorstand des DGsP vorschlagen, dem/der Beratenden zu untersagen, im Rahmen des DGsP Zertifkats weiterhin Tätigkeiten auszuüben und ihn aus der DGsP auszuschließen.

Mainz, den 8.12.2015

Rainer Hölzle, Beate Jaquet, Stefan Pätz, Christine Ziepert

(Arbeitsgruppe der DGsP zur Ausarbeitung eines Vorschlags für Ethik Richtlinien der DGsP)